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Förderung des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung

Einleitung

Es erstaunt immer wieder, wie schnell und leicht Kinder etwas lernen. So lernen sie eine oder manchmal sogar zwei Sprache(n) innerhalb weniger Jahre. Und sie beherrschen sie dann nahezu fehlerfrei und vollständig. Diese Lernleistung ist phänomenal. Noch erstaunlicher wirkt diese Leistung, wenn man sich vor Augen führt, welche Mühe es Erwachsenen kostet, eine Sprache zu lernen. Sie benötigen viele Jahre und erlangen bei weitem nicht die Kompetenz, die Kinder mühelos erreichen.

Indem Eltern mit ihren Kindern und Erzieherinnen mit den Ihnen anvertrauten Kindern sprechen, werden die dabei wahrgenommenen Lauteinheiten und ihre Beziehungen zueinander in neuronalen Netzwerken abgebildet. Die dabei aktivierten Verbindungen werden zunehmend stabiler, wenn das Kind immer wieder mit den gleichen sprachlichen Strukturen konfrontiert wird. Wenn nun bestimmte Sprach- bzw. Lautstrukturenimmer wieder im Gesprochenen auftauchen, werden diese neuronal immer wieder aktiviert und schleifen sich ein. Das Kind hat diese Regelmäßigkeiten dann gelernt und kann auf sie zurückgreifen, wenn es selbst zu sprechen anfängt.

Das neugeborene Kind kann noch nicht Sprechen. Dennoch hat es von Anfang an die Fähigkeit Kontakt mit seiner Umwelt aufzunehmen und mit dieser zu kommunizieren.



Phasen der Sprachentwicklung    
  Einwortphase    Zweiwortphase    Mehrwortphase    Mehrwortsätze 
 Einzelne Worte stehen für komplexen Zusammenhang, z.B. "Ba" (Ich will Ball spielen, oder Wo ist der Ball?)  Telegrammartiger Stil von zwei Worten, meist Substantiv und Verb im Infinitiv, z.B: "Ba ham" (Ich will den Ball haben)   Drei oder mehr Wörter, meist Substantiv, Verb im Infinitiv und Adjektiv, z.B: "Mama, tomm - nell" (Mama, komm schnell!). Entwicklung eines eigenen grammatischen Bauplans; Variationen von Aussagen, Fragen, Ausrufen    Differenzierte Sätze mit Nebensatzkonstruktionen; verbesserte Aussprache; Beherrschung schwieriger Laute und Lautkombinationen wie "sch" oder "kn"; starke Zunahme des Wortschatzes 

 

Spracherwerb im Kinderhaus Kuschelkiste
Viele kleine Kinder im Alter von 0-3 Jahren, viele Kinder mit Migrationshintergrund, viele Kinder aus bildungsfernen sozialen Schichten, geben dem Thema Spracherwerb in unserer Einrichtung eine besonders hohe Priorität.

 

Es gibt zahlreiche äußere und innere Einflüsse, die zu Störungen des Spracherwerbs führen können, beispielsweise zu wenig sprachliche Anregung, mangelnde Zuwendung und fehlender Kontakt (sprachliche Interaktion) mit anderen Kindern. Bei länger andauernden Störungen oder Verzögerungen oder sogar Ausbleiben der Sprachentwicklung denken wir an Hörstörungen, an eine Entwicklungsver- zögerung, eine geistige Behinderung oder auch an Autismus. Es gibt jedoch auch die sogenannten spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SES), die eben nicht auf mangelnder Fürsorge, Hörvermögen, geringem IQ oder geistiger Behinderung beruhen.

Die Erzieherinnen sorgen dafür, das Kinder

  • aktiv sprechen (z.B. Morgenkreis, Lernen von Liedern, Gedichten und Reimen, Tischspruch)- Nur so können die notwendigen neuronalen Netze entstehen.

  • selbst aktiv werden, ihre Kommunikation selbst gestalten, um sich die sprachlichen Reize und Anregungen zu holen, die sie in der jeweiligen Phase ihrer Sprachentwicklung benötigen.

  • Einsatz von didaktischen Materialien im Tageslauf ( Sprachkasten)


Sie sind selbst Sprachvorbilder. Sie bauen eine positive emotionale Beziehung zum Kind auf und sind ermutigend. Beide Dinge sind für den Spracherwerb unabdingbar.

 

Als Risikofaktor für eine Sprachentwicklungsstörung (egal, ob spezifisch oder eingebettet in eine andere Symptomatik) gilt die 50-Wörter Regel: Benutzen Kinder, bis sie 2 Jahre alt sind, weniger als 50 verschiedene Wörter, sollte

man mit ihnen unbedingt zu einem Logopäden oder Phoniater gehen. Etwa die Hälfte der Kinder sind jedoch sogenannte „Spätentwickler“ und haben bis zum 3. Geburtstag den Anschluss geschafft.

 

Zusammenarbeit mit Fachkräften / Weiterbildung

Hierzu zählen insbesondere Logopäden (Themenelternabend zu Thema Spracherwerb) aber auch die Sozialpädiatrischen Zentren in unserem Einzugsgebiet.

 

Die Teilnahme an Fortbildungen mit dem Thema Spracherwerb und Sprachentwicklungsstörungen ist seit vielen Jahren gängige Praxis.

 

Quelle:
Spitzer, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, 2002.

 

Carolin Kramer